Espresso - perfekt zubereitet, aber der Teufel steckt im Detail
Donnerstag, Januar 7, 2010 at 21:41 Es ist jetzt die dritte Espressomaschine nach all den Jahren, mittlerweile auch sicher das richtige Gerät - schliesslich hab ich mich nicht umsonst jahrelang durch die Foren gelesen, diverse Geräte ausprobiert und gefachsimpelt. Zugegeben, in der Küche war auch nicht mehr Platz, als derjenige, der nun für das Espresso Setup in Anspruch genommen wird, doch das ist ein anderes Thema.
Dass wir jetzt auch noch so einen kleinen Fiat Cinquecento im Vorgarten stehen haben, war nicht nur Bestandteil des Espressomaschinen Deals in der Küche, nein - der Wagen gefällt mir wirklich und er ist auch gross genug für die ganze Familie, sofern der Hund beim Nachbarn bleibt, wenn wir verreisen.
Ich will sagen, dass die Geräte nun alle so ausgerichtet sind, dass man sie zweifelsfrei als semiprofessionell oder professionell bezeichnen kann - ich bin mehr als zufrieden was das Equipment angeht. Auch die Zeit des Dolce Gusto ist lange vorbei und der Kaffeehändler meines Vertrauens hat mich sogar vor einiger Zeit mit einem Bio Espresso aus einer kleinen Rösterei davon überzeugt, nicht mehr den Espresso der Firma zu kaufen, die jedes Jahr Unsummen für Kalenderproduktionen ausgibt, um Ihr Image aufzuwerten, aber beim Kaffee in der Packung eher sparsam bleibt.
Alle Parameter der Espressozubereitung habe ich mehr oder weniger im Griff, ich habe geübt, zugeschaut, Kurse belegt und jahrelang die ganze Familie alle typisch italienischen Getränke probieren lassen, die ich so hervorgezaubert habe, ob sie wollten oder nicht. Ich bin ein erfahrener HOME BARISTA - BASTA!
Immer wieder kommt es jedoch auch bei erfahrenen Home Baristi vor, dass der Espresso oder Cappuccino nicht so schmeckt, wie er sollte, oder wie man es erwartet - der Teufel steckt oft im Detail. Aus diesem Grunde möchten wir Ihnen gern einige Punkte nennen, die oftmals nicht bedacht werden und auch in Lehrbüchern selten beschrieben werden.
- Zuallererst ist Kaffee und Espresso natürlich ein Naturprodukt, welches Schwankungen in der Ernte und beim Rösten unterliegt - die Wiederholgenauigkeit von einer Charge zur nächsten liegt bei den guten Sorten bei etwa 80% - bei minderen Qualitäten mag sie etwas höher liegen. Weiterhin arbeitet und "reift" der Kaffee selbst in der verschlossenen, mit einem Vacuum Ventil versehenen Tüte. Das MHD ( Mindesthaltbarkeitsddatum) vieler italienischer Röstereien sollte man entsprechend interpretieren. Sicher ist der Kaffee auch nach Ablauf der oft angegebenen 2 Jahren ohne ein gesundheitliches Risiko zu konsumieren, doch Qualitätseinbussen und Änderungen im Extraktionsverhalten setzen deutlich vorher ein. Gute Röstereien empfehlen daher den Kaffee innerhalb der ersten 3 oder 6 Monate zu verwenden. Einige Sorten verlangen auch nach schnellerem Verzehr.
- Immer wieder vernachlässigen viele Espressotrinker unbewusst die Sauberkeit der Mühle, hier ist gelegentliches manuelles Reinigen der Mahlscheiben wichtig, aber auch das Reinigen zwischendurch mit Hilfe eines geeigneten Granulats, z.B. Puly Grind kann schon kleine Wunder bewirken, da Kaffee schnell den Geruch und Geschmack seiner Umgebung annimmt. Wenn diese Umgebung dann aus altem, oder "schlechtem" Kaffee besteht, der die Mahlscheiben umgibt, wird die frisch eingefüllte Luxuxbohne schnell ihre erhoffte Qualität verlieren, spätestens in der Tasse.
- Auch aus diesem Grunde ist es wichtig neuen oder frischen Kaffee/ Espresso wie folgt nachzufüllen:
- zuerst die Mühle komplett mit dem alten Kaffee leer mahlen
- etwas neuen Kaffee einfüllen und komplett durchmahlen
- Bohnenbehälter reinigen - abwischen und/oder auswaschen
- dann erst den neuen Kaffee einfüllen und zwar die Menge, die in etwa max. 2-3 Tagen verbraucht wird, da der Kaffee im Bohnenbehälter auch schneller altert als in der Tüte
- Ein weiterer Punkt, besonders bei hochwertigen Marken und Bio Espresso Sorten ist, dass der Kaffee unter extremen Wetterbedingungen dazu neigt, seinen Geschmack und das Verhalten negativ zu verändern - ja, das passiert wirklich! Nach solch einer wetterbedingten Veränderung kann es sinnvoll sein, den in der Mühle befindlichen Kaffee auszutauschen und die Mühle wenigstens mit einem Granulat zu reinigen, um Geschmacksübertragungen zu vermeiden.
- Zusätzlich zur Mühle müssen natürlich auch Siebträger, Auslauf (sofern kein bodenloser Siebträger verwendet wird) und Sieb sauber sein, das Ganze wird entweder mechanisch gereinigt, oder mit Hilfe eines Kaffeemaschinenreinigers einige Zeit eingeweicht, um die letzten Spuren der vorangegangenen Espressi zu verwischen. An diese Notwendigkeit denkt man, auch das Rückspülen der Brühgruppe ist ein bekanntes Procedere, welches in regelmässigem Abstand durchgeführt wird. Doch was passiert, wenn man diesen notwenigen Reinigungsschritt das ein oder andere Mal vergisst? Im besten Falle bilden sich zwischen Duschesieb und Wasserverteilung immer mehr Kaffeereste, die sich chemisch nur schwer entfernen lassen, so dass der Espresso nach und nach verfälscht wird - im schlechtesten Falle bildet sich unter dem Duschesieb ein kleiner Kaffeepuck aus Kaffeeresten, der regelmässig beim Rückspülen der Gruppe mit Chemie durchtränkt wird - die Chemie wird dann bei der Espressozubereitung langsam wieder abgegeben. Ein gelegentlicher Blick unter das Duschesieb wird also dringend empfohlen.
- Eine weitere versteckte Fehlerquelle bei der Espressozubereitung ist immer wieder die Notwendigkeit unterschiedlicher Zubereitungsmethoden bei Einzel- und Doppelsieben. Kleine Siebe verlangen nach einem anderen Mahlgrad und einem anderen Tamperandruck als die Siebe für den Doppio oder Triple Shot. Geringe Unterschiede lassen sich am besten über den Tamperdruck ausgleichen, am sinnvollsten ist es, Siebe mit ähnlicher Füllhöhe zu verwenden, diese garantieren eine ähnliche Extraktion.
- Die letzte Kleinigkeit auf die wir hier an dieser Stelle hinweisen möchten, ist die Temperatur des Siebträgers, die möglichst nah an der Brühtemperatur liegen sollte. Gerade bei eingruppigen Haushaltsmaschinen, bei denen ein Siebträger immer daneben liegt, sollte dieser vor Benutzung einmal in der Gruppe durch einen Blindbezug angewärmt werden, um die entsprechende Temperatur für optimale Ergebnisse zu gewährleisten.
Wenn Sie also die hinlänglich bekannten Parameter einigermassen berücksichtigen, zusätzlich die versteckten Details im Auge behalten, so sind Sie sicher in der Lage auch die letzten Fehlerquellen zu beheben. Gutes Gelingen!
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